Eine gute Gliederung entsteht nicht am Ende, wenn das Inhaltsverzeichnis fertig werden muss. Sie ist der Plan, mit dem Sie Ihre Forschungsfrage in Schritte zerlegen. Wer die Hausarbeit gliedert, bevor der Hauptteil steht, schreibt schneller. Am Schluss muss dann weniger umgebaut werden.

Dieser Beitrag zeigt den Grundaufbau, eine Beispiel-Gliederung für eine Arbeit mit 15 Seiten, die Regeln der Nummerierung und die Fehler, die in Sprechstunden immer wieder auffallen. Maßgeblich bleibt am Ende immer der Leitfaden Ihres Lehrstuhls. Viele Institute veröffentlichen eigene Vorgaben, etwa der Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt oder die Kölner Geschichtswissenschaft mit ihren Leitfäden für Hausarbeiten.

Was eine Gliederung leisten muss

Eine Dozentin, die Ihre Gliederung liest, sollte danach die Frage nennen können, die Sie beantworten wollen. Gelingt das nicht, liegt das Problem meist nicht in der Gliederung, sondern in einer zu breiten Fragestellung.

So entsteht die Gliederung in der Praxis

Eine tragfähige Gliederung entsteht selten im ersten Versuch. Ein Weg, der in vielen Schreibberatungen empfohlen wird, beginnt mit der Frage und nicht mit den Kapiteln.

Schreiben Sie zuerst Ihre Forschungsfrage als einen vollständigen Satz auf. Für das Beispiel weiter unten lautet sie: "Welche Faktoren erklären die Wahlbeteiligung der 16- bis 24-Jährigen bei der Europawahl 2024 in Deutschland?" Notieren Sie darunter alle Fragen, die Sie beantworten müssen, bevor Sie diese Frage beantworten können. Was heißt Wahlbeteiligung genau? Welche Daten gibt es? Welche Erklärungen bietet die Forschung an?

Diese Teilfragen bringen Sie dann in eine Reihenfolge, in der jede auf der vorigen aufbaut. Aus jeder Teilfrage wird ein Kapitel oder ein Unterkapitel. Was übrig bleibt und zu keiner Teilfrage passt, streichen Sie, auch wenn Sie dazu schon Literatur gelesen haben.

Im letzten Schritt formulieren Sie die Fragen in Überschriften um und legen die Gliederung Ihrer Betreuerin vor. Viele Dozentinnen bieten dafür eine Sprechstunde an, und eine Rückmeldung in diesem frühen Stadium kostet Sie zehn Minuten statt einer Woche Umbau.

Der Grundaufbau einer Hausarbeit

Fast jede Hausarbeit an deutschen Hochschulen folgt derselben äußeren Form:

  1. Deckblatt
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. gegebenenfalls Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis
  4. Einleitung
  5. Hauptteil mit mehreren Kapiteln
  6. Fazit oder Schluss
  7. Literaturverzeichnis
  8. gegebenenfalls Anhang
  9. Eigenständigkeitserklärung

Nummeriert werden in der Regel nur Einleitung, Hauptteil und Fazit. Deckblatt und Verzeichnisse bekommen keine Gliederungsnummer, das Literaturverzeichnis steht ohne Nummer am Ende. Manche Lehrstühle wollen auch das Literaturverzeichnis nummeriert sehen. Hier entscheidet der Leitfaden.

Beispiel-Gliederung für eine Hausarbeit mit 15 Seiten

Angenommen, Sie schreiben im dritten Semester Politikwissenschaft eine Hausarbeit zur Frage, wie sich die Wahlbeteiligung junger Menschen bei der Europawahl 2024 in Deutschland erklären lässt. Eine Gliederung könnte so aussehen:

  1. Einleitung
  2. Wahlbeteiligung als Forschungsgegenstand

2.1 Begriff und Messung 2.2 Erklärungsansätze im Überblick

  1. Die Europawahl 2024 und die Senkung des Wahlalters

3.1 Rechtlicher Rahmen 3.2 Datenlage

  1. Analyse der Wahlbeteiligung der 16- bis 24-Jährigen

4.1 Sozioökonomische Faktoren 4.2 Politisches Interesse und Mediennutzung 4.3 Vergleich mit älteren Altersgruppen

  1. Fazit

Literaturverzeichnis

Diese Gliederung hat drei Ebenen im Hauptteil nur dort, wo sie gebraucht werden, und jedes Kapitel trägt erkennbar zur Antwort bei. Kapitel 2 klärt die Begriffe, Kapitel 3 den Fall, Kapitel 4 enthält die eigentliche Untersuchung. Bei 15 Seiten Text sind das grob eine Seite Einleitung, eine Seite Fazit und 13 Seiten Hauptteil, wovon die Analyse den größten Teil einnehmen sollte.

Wie viele Gliederungspunkte sind angemessen?

Eine feste Zahl gibt es nicht, aber eine Faustregel hilft: Ein Unterkapitel sollte mindestens eine Seite füllen. Bei einer Arbeit mit 10 Seiten sind fünf bis acht Gliederungspunkte realistisch, bei 15 Seiten acht bis zwölf, bei 20 Seiten selten mehr als 15. Wer bei zehn Seiten zwanzig Punkte hat, schreibt Absätze mit Überschriften.

Der Leitfaden der Universität Bamberg zur vergleichenden Politikwissenschaft formuliert es knapp: Bei normalen Hausarbeiten reicht eine Gliederung bis zur zweiten Ebene meistens aus.

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Literaturarbeit oder empirische Arbeit

Die Beispiel-Gliederung oben gehört zu einer Arbeit, die vorhandene Daten auswertet. Viele Hausarbeiten in den ersten Semestern sind aber reine Literaturarbeiten, die Positionen aus der Forschung vergleichen und bewerten. Ihre Gliederung sieht anders aus.

Eine Literaturarbeit im Fach Germanistik zur Frage, wie Kafkas "Die Verwandlung" in der Forschung gedeutet wird, könnte so aufgebaut sein:

  1. Einleitung
  2. Die Erzählung im Überblick
  3. Biografische Deutungen
  4. Sozialgeschichtliche Deutungen
  5. Psychoanalytische Deutungen
  6. Vergleich und eigene Bewertung
  7. Fazit

Hier ordnen die Deutungsrichtungen den Hauptteil, und das vorletzte Kapitel enthält die eigene Leistung: den Vergleich. Fehlt dieses Kapitel, bleibt die Arbeit eine Zusammenfassung fremder Texte. Bei empirischen Arbeiten übernimmt die Analyse diese Rolle, bei Literaturarbeiten die begründete eigene Position.

Dezimal oder alphanumerisch

Zwei Systeme sind verbreitet.

Die Dezimalgliederung (1, 1.1, 1.1.1) ist in den meisten Fächern Standard. Sie ist übersichtlich und lässt sich in Word automatisch erzeugen.

Die alphanumerische Gliederung (A, I, 1, a) findet man vor allem in der Rechtswissenschaft und in manchen geisteswissenschaftlichen Fächern. Sie arbeitet mit wechselnden Zeichen pro Ebene: A. für das Kapitel, I. für den Abschnitt, 1. für den Unterabschnitt.

Mischen Sie die Systeme nie innerhalb einer Arbeit. Und kündigen Sie bei der Dezimalgliederung den letzten Punkt einer Ebene ohne abschließenden Punkt an, also 2.1 und nicht 2.1., wenn Ihr Leitfaden das so vorsieht. Das klingt kleinlich, fällt aber bei der Korrektur auf.

Die Einleitung der Hausarbeit

Die Einleitung führt in vier Schritten in die Arbeit ein. Zuerst zeigt sie, warum das Thema relevant ist. Dann folgt die Forschungsfrage. Danach beschreibt sie kurz Methode und Material und gibt am Ende einen Überblick über den Aufbau.

Für das Beispiel oben hieße das: ein Absatz zur gesunkenen Wahlaltersgrenze bei der Europawahl, die Forschungsfrage als ein Satz, ein Absatz zu den verwendeten Daten und ein Absatz, der Kapitel 2 bis 4 in je einem Satz vorstellt.

Die Einleitung umfasst meist etwa zehn Prozent des Textes. Sie wird oft zuletzt geschrieben oder zumindest am Ende überarbeitet, weil erst dann feststeht, was die Arbeit wirklich leistet.

Den Hauptteil gliedern

Im Hauptteil liegt die eigentliche Arbeit, und hier entscheidet sich, ob die Gliederung trägt. Ein bewährter Weg führt vom Allgemeinen zum Besonderen, also von den Begriffen über den Gegenstand hin zur eigenen Analyse.

Jedes Kapitel sollte eine Teilfrage beantworten, die sich aus der Forschungsfrage ergibt. Schreiben Sie diese Teilfragen beim Planen neben die Gliederungspunkte. Ein Kapitel, für das Ihnen keine Teilfrage einfällt, gehört vermutlich nicht in diese Arbeit.

In den Fächern unterscheidet sich der Hauptteil deutlich:

  • In der Geschichtswissenschaft folgt er oft einer Quellenanalyse oder einer chronologischen Ordnung.
  • In der Betriebswirtschaftslehre folgt auf die Theorie oft eine Fallbeschreibung, am Ende steht eine Handlungsempfehlung.
  • In der Rechtswissenschaft gibt der Sachverhalt die Struktur vor. Die Prüfung im Gutachtenstil folgt den Anspruchsgrundlagen und ihren Voraussetzungen.
  • In der Psychologie orientieren sich empirische Arbeiten oft am Aufbau eines Fachartikels mit Theorie, Methode, Ergebnissen und Diskussion.

Kapitelüberschriften sollten sagen, was im Kapitel geschieht. "Analyse" allein ist zu wenig. "Analyse der Wahlbeteiligung der 16- bis 24-Jährigen" sagt dem Leser, was ihn erwartet.

Das Fazit der Hausarbeit schreiben

Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage aus der Einleitung, und zwar ausdrücklich. Es bündelt die wichtigsten Ergebnisse der Kapitel und nennt, was offen bleibt.

Neue Argumente oder neue Quellen gehören nicht hinein. Wer im Fazit noch eine Studie einführt, hat sie im Hauptteil vergessen.

Einleitung und Fazit bilden eine Klammer. Lesen Sie beide direkt nacheinander: Die Frage am Anfang und die Antwort am Ende müssen zusammenpassen. Hat sich die Frage beim Schreiben verschoben, passen Sie die Einleitung an, nicht das Ergebnis.

Eine schnelle Gegenprobe: Lassen Sie den Hauptteil vom Textzusammenfasser in Stichpunkten kürzen und vergleichen Sie diese Punkte mit Ihrem Fazit. Fehlt dort ein Ergebnis, das in der Kurzfassung steht, gehört es hinein.

Auch das Fazit umfasst meist rund zehn Prozent des Textes. Bei einer Arbeit mit 15 Seiten ist das etwa eine bis eineinhalb Seiten.

Typische Fehler in der Gliederung

Ein einzelner Unterpunkt

Gibt es einen Punkt 2.1, muss es auch einen Punkt 2.2 geben. Wer etwas unterteilt, braucht mindestens zwei Teile. Steht unter Kapitel 3 nur 3.1, gehört der Inhalt von 3.1 direkt in Kapitel 3.

Zu viele Ebenen

Vier Gliederungsebenen in einer Arbeit mit 12 Seiten machen sie unübersichtlich. Für eine Hausarbeit genügen meist zwei, selten drei.

Kapitel ohne Bezug zur Frage

Ein langes Kapitel zur Geschichte des Themas wirkt gründlich, beantwortet aber oft nichts. Prüfen Sie jedes Kapitel mit der Frage, welche Teilfrage es löst.

Ungleiche Gewichtung

Ein Theoriekapitel mit acht Seiten und eine Analyse mit zwei Seiten zeigen eine Schieflage. Die eigene Untersuchung sollte den größten Raum bekommen.

Gliederung und Text passen nicht mehr zusammen

Während des Schreibens ändert sich die Gliederung fast immer. Das ist normal. Achten Sie nur darauf, dass Inhaltsverzeichnis und Überschriften im Text am Ende übereinstimmen. Auch der Überblick in der Einleitung muss den letzten Stand zeigen.

Den Umfang je Kapitel prüfen

Viele Lehrstühle geben den Umfang in Wörtern oder Zeichen vor statt in Seiten, weil Seitenzahlen sich mit Schriftgröße und Rand verschieben lassen. Wer 4.000 bis 5.000 Wörter schreiben soll, kann die Gliederung danach verteilen: rund 450 Wörter Einleitung, 450 Wörter Fazit, der Rest im Hauptteil.

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Fragen zu diesem Artikel

Wie viele Gliederungspunkte hat eine Hausarbeit?

Bei 10 Seiten sind fünf bis acht Punkte üblich, bei 15 Seiten acht bis zwölf. Jedes Unterkapitel sollte mindestens etwa eine Seite füllen.

Wie lang sind Einleitung und Fazit?

Jeweils etwa zehn Prozent des Textes. Bei 15 Seiten sind das ungefähr eine bis eineinhalb Seiten.

Darf es einen Punkt 1.1 ohne 1.2 geben?

Nein. Eine Unterteilung braucht mindestens zwei Teile. Ein einzelner Unterpunkt wird in das übergeordnete Kapitel integriert.

Gehört die Einleitung in die Nummerierung?

In der Regel ja, als Kapitel 1. Das Deckblatt und die Verzeichnisse bekommen meist keine Nummer, aber manche Leitfäden regeln das anders.

Wie formuliere ich gute Kapitelüberschriften?

Konkret und inhaltlich. Eine Überschrift sollte sagen, was im Kapitel untersucht wird, nicht nur, welcher Teil der Arbeit es ist.

Wie viele Ebenen sind sinnvoll?

Für eine Hausarbeit genügen meist zwei Ebenen, höchstens drei. Mehr Ebenen machen eine kurze Arbeit unübersichtlich.

Muss ich die Gliederung mit der Dozentin absprechen?

Das ist nicht überall Pflicht, aber sehr empfehlenswert. Eine kurze Rückmeldung zur Gliederung erspart oft einen grundlegenden Umbau kurz vor der Abgabe.

Was ist der Unterschied zwischen Gliederung und Inhaltsverzeichnis?

Die Gliederung ist Ihr Arbeitsplan und kann sich ändern. Das Inhaltsverzeichnis ist ihre endgültige Fassung mit Seitenzahlen in der fertigen Arbeit.

Wie gliedere ich eine juristische Hausarbeit?

Meist alphanumerisch und entlang der Prüfung im Gutachtenstil, also nach Anspruchsgrundlagen und ihren Voraussetzungen.

Darf ich die Gliederung beim Schreiben ändern?

Ja, das passiert fast immer. Wichtig ist nur, dass Inhaltsverzeichnis und Überschriften in der fertigen Arbeit übereinstimmen.